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 Alpenrunde vom 5.- 7. August 2009

Drei Tage mit dem Rennrad in die Alpen. Jochpass, Hahntennjoch, Piller Höhe, Reschenpass, Stilfser Joch, Umbrail, Ofenpass, Flüelapass - 500 Kilometer und 9800 Höhenmeter mit großem Gepäck.  

 

Erster Tag:  Herlazhofen-Prutz

Nach der verregneten Radtour zum Ammersee am vergangenen Wochenende meldet sich seit heute endlich der Sommer zurück. War er eigentlich schon da? Eher nein - also der Sommer meldet sich an! Jetzt kann meine schon so lange geplante Alpenrunde angegangen werden.  Das Crossrad hat sich als "Lastesel" inzwischen sehr gut bewährt, mit der 34/32er Übersetzung sollten auch lange Passauffahrten mit Gepäck gut möglich sein. Vollgepackt mit Schlafsack, Minizelt und allem anderen, was bei einer 500 Kilometer Tour unbedingt dabei sein muss, geht es am Mittwoch früh um 7 Uhr endlich los.

Im LechtalVon Herlazhofen zunächst auf vertrauter Strecke über Hinznang und Friesenhofen nach Großholzleute. Auf feinen Nebenstrassen weiter nach Seltmanns und über Missen nach Immenstadt. Ein kleiner Zwischenfall bringt hier nach gut 40 Kilometern die erste Zwangspause. Verbotenerweise nehme ich nicht den völlig chaotischen Radweg durch Immenstadt und fahre stattdessen die kurze Umgehung. Die ist für Radfahrer aber verboten. Kurz nach einer Unterführung werde ich von der bayerischen Polizei aufgefordert "mal rechts ranzufahr´n" . Nach einer eindringlichen Belehrung und dem Extrahinweis, dass Schilder auch für Radfahrer gelten, werde ich noch nach Ausweispapieren gefragt. "Aber sie haben sicher gar nix dabei" . Doch, habe ich! Der Beamte dachte wahrscheinlich, dass in meinen Packtaschen außer Rotwein nichts wäre. Das, obwohl ich mich morgens extra noch frisch rasiert hatte. Ich glaube, der junge Polizist war nicht gerade ein Freund der Radfahrer. Am Ende lässt er dann aber doch noch Milde walten und ich komme mit einer mündlichen Verwarnung davon. Ein Schmunzeln kann ich mir dann aber doch nicht verkneifen, als ich den riesigen Rückstau sehe, den die Gesetzeshüter mit ihrem auf der Durchgangsstrasse stehenden Auto verursacht haben. Ich gelobe Besserung!

Über Burgberg  kommt bei Kilometer 65 Sonthofen in Sicht. Umleitung auf meiner
Passhöhe Hahntennjoch geplanten Strecke, wer das Sonthofener Radwegenetz kennt, weiß was das bedeutet! Nur gut, dass ich nicht völlig ortsunkundig bin und über einen guten Orientierungssinn verfüge. Irgendwie finde ich den Weg nach Bad Hindelang. Hier gibt´s erst einmal in einem schattigen Buswartehäusle ein paar Reiswaffeln. Inzwischen ist es 10 Uhr und schon richtig heiß. Die Jochstraße ist zum Glück noch im Schatten von Iseler und Wannenjoch. Und weil es noch recht früh ist sind nur wenig Motorradfahrer unterwegs und der Ausflugsverkehr ist wohl schon durch. Fototermin auf der Kanzel, die Polizei ist auch da und beobachtet von dort mit dem Fernglas den Verkehr. Find ich gut, manch einer fährt hier hoch und verwechselt die Straße mit einer Rennstrecke. Gerne hätte ich da ne Weile zugesehen. 

Aber die Zeit drängt und ich fahre durch das Tannheimer Tal auf schönen, verkehrsfreien Sträßchen Richtung Gaichtpass und dann runter in das Lechtal. Vorbei an Stanzach, hier geht es links weg ins Namloser Tal, erreiche ich schließlich Elmen. Hier beginnt die Hahntennjochstraße. Gleich die erste Rampe hat es ordentlich in sich, geschätzte 13 Prozent - gefühlt sind es ein paar mehr. Der Motorradverkehr ist nun so lästig wie eh und je. In den beiden kurzen Tunnels steigert sich das schnell vom lästig sein zur schieren Wut auf die dröhnenden Maschinen und ihre Fahrer. Ausnahmen gibt es natürlich auch, aber die sind wirklich selten. Aber es ginge schon auch anders. Der Blick hinab ins Bschlabser Tal oder zurück auf die Allgäuer Alpen jedenfalls bleibt ihnen verwehrt. Mir nicht, und ich fühle mich großartig in dieser großartigen Landschaft. 

Bei der Abzweigung nach Boden bin ich auf 1400 Meter Höhe angekommen. Die Steigung übertrifft ab hier bei weitem das, was bisher hinter mir liegt. Bis Pfafflar steigt die Strasse mit 5 Kehren sakrisch an. Die Karte sagt 18 Prozent, klingt glaubwürdig. Bis zur Passhöhe auf 1894 Metern Höhe habe ich von Elmen aus 918 Höhenmeter hinter oder besser unter mir gelassen. Die Passhöhe ist gut besucht, als Startort für Bergtouren in die umliegenden Berge bietet sich das Hahntennjoch natürlich auch an. Volle Parkplätze, die inzwischen obligatorische Imbissbude und - na klar - jede Menge Motorradfahrer. Den Gag des Tages bringt heute eine Gruppe aus Bayern. Irgendjemand ruft dass es nun Zeit wäre für das "Beweisfoto". Mr. Obercool latscht im John Wayne Stil zu seinen Kollegen und meint nur "ah wa, weg´n 1900 Metern doch ned!". Als ob es eine Rolle spielt ob er mit seinen 140 Pferdestärken nun auf 1900 oder 2800 Meter hochfährt. Aber egal, das Angebot der Imbissbude spricht mich eher nicht an und ich sehe zu das ich weiter komme. Schließlich liegt noch ein gutes Stück Weg vor mir.

Die Abfahrt nach Imst ist mit dem Gepäck und den miesen Cantileverbremsen nicht wirklich spaßig. Geht verdammt sGacherhöheteil runter, Steigungsprozente ähnlich wie bei der Auffahrt. Dann Imst. Eng und verwinkelt, mächtig viel Verkehr und zunächst kein einziger Wegweiser. Aber ich bin eh auf der Suche nach einem Supermarkt oder Getränkehandel. Endlich! Eineinhalb Liter Mineralwasser füllen meine Trinkflaschen, die Kassiererin - ganz Stressfrei - erklärt mir den besten Weg nach Arzl im Pitztal. Nur blöd das ich die landesübliche Aussprache des Ortes nicht kannte. Ooooaarzl. So heißt das. Ein schon wieder adrenalinhaltiges Stück Autobahnzubringer bringt mich dann über den Inn Richtung Pitztal.

Die Piller Höhe ist mein nächstes Ziel. Ich weiß nur, dass es steil sein soll da hinauf. So ist es dann auch. Aber allemal besser als auf der stark befahrenen Bundesstraße unten im Tal zu fahren. Zwischen 7 und 14 Prozent Steigung gilt es bis zu bewältigen. Bis Wenns herrscht dichter Verkehr, aber nach der Abzweigung Richtung Piller wird es richtig ruhig. Beruhigend für mich ist auch, dass dies heute mein letzter Anstieg sein wird. Der Gacherblick ist mit 1559 Meter ü.M. der höchste Punkt der Piller Höhe. Die Anstrengung wird mit einem wirklich grandiosen Blick in´s Inntal belohnt. Und diese fast schon himmlische Ruhe hier oben! Es ist nun schon gegen 18 Uhr, nur einige Wanderer kehren von ihren Touren zurück zum Parkplatz. Noch die Abfahrt nach Prutz, die von zwei unerwarteten Gegenanstiegen heftig gebremst wird. In Prutz finde ich den Campingplatz erst nach einigem Suchen. Hier verbringe ich die erste Nacht meiner Tour.    

 

 

 

 

 

 

               

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