Rennradtour
mit Rucksackgepäck von Herlazhofen zum Faschinajoch und zur Bieler
Höhe. Über den Arlberg und den Gaichtpass zurück. Zwei Tage, 400
Kilometer und 7300 Höhenmeter.
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Erster Tag:
Herlazhofen-Galtür
Nach dem eher gemütlichen Rennrad-Wochenende in Freiburg habe ich Lust auf mehr. Zwei Tage habe ich noch Zeit, Möglichkeiten auf "mehr" gibt es zuhauf. Eine schöne Tour über den Klausenpass vielleicht? Oder das Timmelsjoch? Klar ist, dass es nicht mehr als 400 Kilometer sein sollen, lieber etwas weniger. Mehr ist in zwei Tagen in den Alpen nicht zu machen. Jedenfalls nicht mit
gefülltem Rucksack.
Am Ende entscheide ich mich für eine Tour, die fast schon regional ist. Der am weitesten entfernte Punkt meiner Route ist - in der Luftlinie gemessen - gerade mal 150 Kilometer von meinem Startort bei Leutkirch entfernt. Nicht wirklich weit, aber auf dem Rad sind das schon fast 200 Kilometer. Immerhin. Etwa gleich weit ist es zurück, also passt das ganz ausgezeichnet! Die ganz großen Namen tauchen auf meiner Tour nicht auf, in Gletscherregionen werde ich auch nicht vorstoßen auf meinem Weg. Aber sehen werde ich welche.
Heute ist Mittwoch, um Halbneun mache ich mich mit dem Rennrad und dem wirklich nur allernötigstem Rucksackgepäck auf den Weg. Auf bekannten Straßen durchquere ich das Allgäu, kurz nach Oberstaufen überquere ich bei Aach die Grenze nach Österreich. Das Wetter ist prächtig, trotzdem lasse ich die Armlinge noch dran. Warm wird es erst später werden. Knapp 45 Kilometer habe ich in Aach hinter mir, es wird also erst gegen 10 Uhr sein, die Sonne versteckt sich noch hinter den Bergen.
Bis Hittisau kenne ich die Strecke gut, auf demselben Weg bin
ich schon auf den Riedberpass gefahren. In Hittisau verlasse ich die bekannte Strecke und biege rechts ab nach Lingnau. Über Egg komme ich nach Andelsbuch und erreiche kurz danach die
Bregenzerwald-Bundesstraße. In Bezau habe ich erst 70 Kilometer hinter mir, trotzdem lockt eine Bäckerei und ich gönne mir zwei Brezeln und eine winzig kleine Pause.
Schließlich bin ich im Urlaub!
Bezau, Mellau und Schnepfau folgen, bei Kilometer 85 erreiche ich Au. Obwohl ich ja mitten in der Woche unterwegs bin, hält sich der Verkehr hier in erträglichen Grenzen.
In Au verlasse ich die Bregenzerwald-Bundestraße und biege ab nach Damüls. Die Sonne steht nun hoch und wärmt ordentlich, gleich nach dem Ortsende mache ich an einer Wiese halt und ziehe Armlinge und Weste aus. Das dass eine verdammt gute Idee war merke ich
gleich nachdem ich wieder losgefahren bin. Die schmale, aber sehr gut ausgebaute Straße, steigt auf den folgenden zwei Kilometern mit 14 Prozent an, fast kurvenlos und ohne Kehren geht das so bis kurz vor Damüls. Zwölf Kilometer weiter und 700 Höhenmeter höher sehe ich den Damülser Kirchturm, nur gut das der Ort umfahren wird. Allerdings sehe ich auch, ein wenig später zwar, aber nicht unbedingt zur Beruhigung beitragend, die "Hahnenkopfgalerie". Die führt schnurgerade hoch bis fast zum Faschinajoch, 1200 Meter lang ist das Ding und gut zwölf Prozent steil. Und kalt, so kalt, dass an manchen Stellen meterlange Eiszapfen hängen. Im August! Mir wird schnell klar, warum die Damülser Gegend als sehr schneesicher gilt! Nach der Galerie bin ich dann wieder in der Sonne, auf der Passhöhe gönne ich mir ein Apfelschorle und eine Leberknödelsuppe. Das alles im Freien, für ein paar Minuten sitze ich hier und genieße die angenehme Wärme.
Das Faschinajoch,
1486 Meter hoch, bildet die Grenze zwischen dem Bregenzer Wald und dem Großen Walsertal. Die nun folgende Abfahrt ist bis runter nach Raggal heftig steil abfallend, 15 Prozent sind das lässig. Vor Raggal
taucht dann dummerweise ein heftiger Gegenanstieg auf, der richtig Körner kostet. Der Rest bis nach Bludenz geht dann fast durchgehend ebenso steil abwärts. Bludenz liegt auf 550 Meter. Raggal auf 1015 Metern. Also 500 Höhenmeter auf gerade mal sechs Kilometern, da geht es teilweise heftigst bergab. Also hochfahren wollte ich das von dieser Seite her eher nicht. Jedenfalls nicht mit Gepäck. Aber die Abfahrt ist schnell und macht auf der sehr guten Straße mächtig Laune.
Nun bin ich in Bludenz, mit 14.000 Einwohnern nun nicht gerade eine Großstadt. Aber nur nach unseren Maßstäben. Im Alpenraum ist das dann schon eine Art von Großstadt. Aber egal, jedenfalls herrscht hier das eher für richtig große Städte übliche Verkehrsgewimmel, die Autobahn und eine Fernverkehrsstraße locken den großen Verkehr wie ein Magnet an. Mit dem Rennrad da durchzukommen ist nicht einfach.
Aber ich habe mir einen geradezu genialen Durchfahrtsplan ausgedacht. So
komme ich ziemlich elegant an der Hauptverkehrsader vorbei. Na gut, einmal musste ich nach dem Weg fragen. Aber ich war auf dem richtigen Weg und wurde in meinem Umfahrungsplan nur von zwei sehr freundlichen Bludenzern bestätigt.
So komme ich relativ stressfrei auf die Straße, die mich über Schruns und Gaschurn nach Partenen bringt. Partenen liegt auf 1051 Metern, es
ist verdammt spät, 18 Uhr ist es schon. Vor meinem Tagesziel in Galtür liegt noch die
Silvretta-Hochalpenstraße. Mit ihren
30 Kehren sicher eine der schönsten Pass-Straßen der Alpen. Zwar sehr steil, teilweise 14 Prozent, aber dennoch irgendwie angenehm zu fahren. Außer mir ist hier niemand mehr unterwegs, ein komisches Gefühl ist das schon. Zumal einige Stellen der Straße schon in der
Dämmerung liegen. Nur Kühe treiben sich noch auf der Straße rum und wundern sich wohl ein wenig über diesen einsam daherkommenden Menschen auf seinem Zweirad.
Irgendwann wird es flacher und der Vermuntstausee auf 1743 Meter taucht auf. Es
wird kalt, nur noch ein paar Fotos, dann schnell weiter. Ich bin noch nicht ganz oben, weiß aber, dass es nicht mehr sehr weit ist bis zur Bielerhöhe. Als ich dann endlich ganz oben angekommen bin,
bin ich heilfroh. Im Hintergrund sehe ich den Piz Buin (3312 Meter) und
die Dreiländerspitze (3197 Meter), dazwischen liegen Vermuntgletscher
und Ochsentaler-Gletscher. Schade, dass die Zeit für eine Pause hier
oben nicht mehr reicht. Gerne wäre ich hier noch eine Weile
geblieben.
Nur noch wenige Kilometer sind es bis
Galtür, meinem
Tagesziel im Paznauntal, und die gehen bergab. Es ist schon fast dunkel inzwischen und eiskalt. Ich denke, dass ich mir die Zeit wegen der wenigen Kilometer, die ich noch vor mir habe, sparen kann und lasse die warmen Sachen im Rucksack. Aber es wird nun echt eisigkalt, nur wenige Hundert Meter vor Galtür
friere ich dermaßen, dass ich anhalte und mir Beinlinge und Winterhandschuhe anziehe, darüber noch die Windjacke. Hätte ich besser gleich oben gemacht. Völlig durchgefroren komme ich in Galtür an. Zum Glück finde ich im Hotel Alpina gleich eine Unterkunft und kann heiß duschen. Und danach gut essen und verdammt gut schlafen.
190 Kilometer,
3900 Höhenmeter, Fahrzeit 9:30 Stunden
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