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Fast sieht es aus, als wäre der
Frühling schon da! Heute ist Samstag, der 20. November, morgens um acht
Uhr zeigen sich schon die ersten Sonnenstrahlen. Blauer Himmel, keine
Spur von dem in den vergangenen Tagen vorherrschenden Frühnebel. Also
ein guter Tag, um mit dem Mountainbike los zuziehen. Aber erst mal
ordentlich frühstücken.
Die Adelegg,
ein letzter Ausläufer der Alpen, ist heute mein Ziel. Von Friesenhofen
bei Leutkirch im Norden, Isny im Südwesten und Buchenberg im Südosten
wird dieses voralpine Waldmassiv begrenzt.
Meine Tour beginnt in Rimpach
bei Friesenhofen. Ein ehemaliges fürstbischöfliches Jagdschloss, mit
Schlosskapelle und Spiegelsaal – wie es sich für ein Jagdschloss gehört
– bildet den zentralen Teil des kleinen Ortes. Erbaut wurde es in den
Jahren 1754-57, heute ist es im Besitz des Fürsten zu Waldburg-Zeil.
Im Schatten ist es, der
Jahreszeit nach nicht ganz ungewöhnlich, ganz schön kühl. Aber ich
kenne einen großen Teil meiner Tour und weiß, dass ich nach dem ersten
Kilometer aus dem schattigen Wald in die Sonne fahren werde. Also keine
Sorge, Armlinge und Knielinge reichen schon aus, darüber zunächst mal
eine dünne Windjacke.
Schon bald, noch vor Elmeney,
wird es so warm, dass ich die Windjacke im Rucksack verstauen kann.
Anstatt der schlappen acht Grad bei Rimpach zeigt das Thermometer hier
schon stattliche vierzehn Grad an. Die ordentliche Steigung sorgt zusätzlich
für ein erhöhtes Wärmegefühl. In Elmeney, einer kleinen Siedlung,
bin ich schon auf 800 Meter. Ab hier gibt es für die nächsten Stunden
so gut wie keinen Asphalt mehr, genau richtig für eine
Mountainbike-Tour.
Die Adelegg
und der zugehörige Kürnacher Wald bestehen aus tief zertalten Hügeln,
unzählige Tobel bestimmen die Landschaft. Also eine Berg- und Talfahrt,
ein ebenes Stück gibt es hier nicht. Entweder rauf oder runter. Mit
Steigungswerten um zwanzig Prozent wahrlich keine Kaffeefahrt. Aber,
gerade jetzt im Spätherbst, absolut lohnenswert. Auch wenn dann die Blütenpracht
des Sommers längst schon dahin ist.
Bei Schmidsfelden, dem
ehemaligem Glasmacherdorf,
wird die Eschach überquert und ich fahre bei der Siedlung Häfeliswald
in den Kürnacher Wald ein. Ein steiles, kurzes Asphaltstück bringt
mich in den Wald. Früher waren hier Weiden, durch Aufforstung mit
schnellwachsenden Fichten und der Abwanderung der Bergbauern ist dieses
neue Landschaftsbild entstanden. In Eisenbach-Kreuzthal gibt es einen Verein,
der u.a. die Wiederherstellung der ursprünglichen Landschaft fordert.
Nun führt der Forstweg ins
Ulmerthal. Aber nicht ohne einen wirklich giftigen Anstieg, als
„Forstweg“ kann der nach der Abfahrt folgende Streckenteil nicht
mehr bezeichnet werden. Eine Fahrspur, übelst Steil, grobschottrig und
dazu noch glitschig und aufgeweicht, fordert erhöhte Konzentration und
den richtigen Blick für den Weg. Haste das nicht, musst du schieben.
Ich habe und kann fahren, mit sagenhaften drei oder mal vier
Stundenkilometern quäle ich mich nach oben. Wäre Schieben langsamer
oder schneller? Nein, ich bin ja nicht beim Wandern! Weg mit diesen
Gedanken! Fahr zu! Geht schon!
Es geht. Auf einer der letzten noch nicht vollständig vom Wald vereinnahmten
Alpe wird es flacher.
Vorbei an der ehemaligen Alpe Fallehen fahre ich in weitem Bogen wieder
in den dichten Wald ein. Hier lügt die Karte übrigens, es gibt keinen
Weg von der Alpe, der direkt zu meinem nächsten Ziel, einer Bank bei
einer Kehre, führt. Außer man geht Weglos, oder fährt, direkt über
die Weide. Aber die ist nicht befahrbar, und eine Spur ist auch nicht zu
erkennen. Also schön auf dem Schotterweg bleiben. Der ist ganz neu
gerichtet und entsprechend weich im „Geläuf“. Mist. Steil ist´s
auch. Ach je. Die mir aus früheren Touren bekannte Bank bittet mich zu
sich. Ganz kleine Pause, tut gut. Danach geht es gleich wieder los.
Steil, also so richtig steil, folge ich dem Wegweiser zur ehemaligen
Alpe Wolfsberg.
Nun heißt es bald gut
aufpassen, um den richtigen Weg zu nehmen. Drei Möglichkeiten gibt es,
der Weg nach links scheidet aus, völlig falsche Richtung. Geradeaus könnte
gehen, nach rechts wäre auch eine Möglichkeit. Aber da steht ein
Sackgassenschild. Geradeaus kenne ich aber, nicht der richtige Weg. Also ab
nach rechts in die Sackgasse.
Einige Minuten später stehe ich
vor einem Schild, das ein Privatgrundstück mit frei laufenden Hunden
ankündigt. Wer lässt mitten in einem Wildreichen Gebiet Hunde frei
laufen? Mit wachen Augen fahre ich mit einem etwas komischen Gefühl
weiter. Eine Hütte, nein,
keine Hütte, dass hier ist schon was größeres, eingezäunt, das Tor
offen, taucht auf. Niemand, auch keine frei laufenden Hunde, sind da.
Puh. Der Forstweg führt oberhalb des Anwesens vorbei, mit einer großen
Schleife umfahre ich den Prinzentobel.
Erst viel später sehe ich auf
der Karte, dass wohl ein Weg unmittelbar nach
dieser „Hütte“ nach
rechts weg gegangen wäre. Ich frage mich wohin? Es geht dort nur abwärts,
direkt in den Tobel. Na ja, auch das wird sich noch aufklären. Ich
jedenfalls fahre mal weiter, und tatsächlich bin ich bald am Ende des
Weges angelangt. Nur eine alte Pfadspur, fast nicht zu erkennen, führt
nach unten. Versuch macht klug! Dummerweise habe ich den Sattel nicht
tiefer gestellt, am Ende der Spur geht es dermaßen steil abwärts, dass
mich nur ein eleganter Absprung vom Bike vor einem Sturz bewahrt. Kein
Risiko in solch abgelegenen, einsamen Orten! Nach dieser Aktion finde
ich tatsächlich wieder so etwas wie einen Weg. Steil abfallend komme
ich unten im Ulmerthal wieder auf meine geplante Tour. Na also!
Ein wenig Geschichte: "Die
unter Holzmangel leidende Reichsstadt Ulm versucht dadurch Abhilfe zu
schaffen, dass sie mit dem Kloster Isny einen Pachtvertrag auf 70 Jahre
schließt, der den Ulmern gestattet zwei große Waldstücke im
Häfeliswald abzuholzen. Die Ulmer dürfen an der Eschach eine
Sägemühle errichten, ferner eine Behausung für einen Köhler und
einen Stall für zwei Ochsen".
aus der Allgäuer Chronik 1608
Das den Ulmern damals
zugewiesene Tal hat noch heute den Namen "Ulmer Thal".
Nur wenige Meter breit ist dieses tief
eingeschnittene Tal, gleich nach der Überquerung des Ulmertalbachs geht
es wieder ziemlich steil aufwärts. Und raus aus dem dichten Wald.
Endlich wieder in der Sonne! Eine größere Weidefläche tut sich vor
mir auf. Oben steht Karina, sieht mich und läuft schnell nach Hause.
Nach Hause ist eine Alpe, die hier oben thront. So an die fünfzig Höhenmeter
später bin ich kurz vor der Alpe angelangt, Karinas „Frauchen“ ruft
mir zu, dass ich schon hochfahren könnte. Karina wäre friedlich und
nur etwas neugierig und „bettelig“. Bloß nicht hinter einem Pferd
herum fahren, Sigmunds Tipp kommt mir gelegen. Also umfahre ich Karina,
die alte Haflingerdame, vorne rum. Die ist dann auch gleich an meinem
Rucksack, lässt sich streicheln und folgt mit die nächsten Meter. Am
Weidezaun, unter dem ich durch muss, ist Karinas kleiner Ausflug zu
Ende.
Meiner nicht, auf dem ersten
Asphaltstück seit langem fahre ich steil hoch, der Kreuzleshöhe
entgegen. Aber schon bald hat das fast schon erholsame Stück Straße
ein Ende und ich biege bei einem Hof nach rechts ab. Ein schöner Pfad führt
mich fast auf direktem Weg runter ins wunderschöne Kreuzbachtal. Wie schon
im Ulmerthal geht es auch hier sofort nach der Bachüberquerung wieder steil nach oben.
Bei einer Hütte
sind noch einige junge Leute beim Frühstücken, die Sonne hat den Platz
vor ihrer Hütte voll im Griff, und sie genießen sichtlich
ihr spätes Frühstück und ihren Platz an der Sonne. Mit einigen
gut gemeinten Anfeuerungsrufen mache ich mich nach einem kurzen Hallo
wieder auf den Weg. Tief zerfurcht führt der entlang eines Weidezauns
wieder steil nach oben, zum Wald hin. Endlich mal wieder Wegweiser! Also
kann ich nicht ganz verkehrt sein hier. Blöd ist nur, dass mein Weg
eigentlich in eine Richtung geht, auf der einfach kein Weg zu erkennen
ist. Nur nach links oben, nicht ganz meine geplante Richtung, sehe ich
einen Durchlass. Wird schon passen. Nach der Überquerung der kleinen
Weidefläche bin ich wieder im dichten Wald, der Weg sieht aus, als ob
er seit Jahren nicht benutzt wurde. Nach einer Weile kehre ich um, zu
groß sind meine Zweifel geworden.
Nach eingehendem Kartenstudium
sehe ich aber, dass ich schon dort hoch muss. Also auf ein Neues! Nach
einer Weile bin ich wieder auf „meiner“ Route. Der Forstweg führt
mich nun, immer die tiefen Tobel umfahrend, in den Buchenberger Wald.
Eine Schleife führt mich herum um den 1158 Meter hohen Ochsenberg. Auf
einem steilem, nach unten führendem Pfad erreiche ich dann auf immer
noch gut 1000 Meter Höhe ein Wohnhaus und ein kleines Sträßle. Das
führt mit ein paar Kurven ziemlich steil runter ins Eschachtal.
Auf der mir wohl bekannten Straße
fahre ich ein kleines Stück aufwärts Richtung Eschacher Weiher. Ein
Rennradfahrer fährt gerade auch da hoch. Auch schön, was vor ihm liegt
kenne ich gut. Es ist um einiges einfacher als das, was mir noch
bevorsteht.
Am Gasthaus „Zum Batschen“,
inzwischen leider geschlossen, mache ich kurz halt und sehe mir die
Infotafel an. Seit einiger Zeit gibt es hier den Glasmacherweg,
der auf einer Strecke von gut zwanzig Kilometern die alten
Glasmacherwege verfolgt.
Kurz danach
biege ich ein in den württembergischen Teil der Adelegg. Der Schwarze
Grat, mit 1118 Metern Höhe die höchste Erhebung Württembergs, ist
mein nächstes Ziel. Wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet, wäre
ich den Weg, der direkt gegenüber vom „Batschen“ auf den Schwarzen
Grat führt, gefahren. Aber bitte, ich wollte es ja so. Vom
Holzeinschlag ist der Weg vollkommen verwüstet, ein Raupenbagger ist
hier hoch gefahren und hat seine Spur hinterlassen. Ein kurzes Stück
muss ich schieben, steil und matschig wird alles. Auch der folgende
Rest, zwar fahrbar, aber sehr mühsam, lässt einige besser nicht zu veröffentliche
Verwünschungen aufkommen. Aber, es ist ja immer so, am Ende wird alles
gut. Yippie!
Irgendwann erreiche ich die
Wenger Egg Alpe. Das ist so was wie ein flaches Hochgelände, und,
soweit ich weiß, auch die letzte bewirtschaftete Alpe auf der Adelegg.
Wobei flach in diesem Terrain sehr relativ ist. Und auch nur von kurzer
Dauer. Aber egal, die Alpe hat heute wegen dem wirklich fantastischem
Wetter geöffnet. Mich zieht es aber heimwärts, heute Abend sind wir
zum Essen eingeladen. Den obligatorischen Besuch des Aussichtsturms
lasse ich deswegen aus, schon oft genug war ich hier. Zu Fuß, mit
Schneeschuhen und auch schon mit dem Bike.
Der württembergische
Teil der Adelegg ist „bevölkerter“ als der gegenüberliegende
bayerische Teil mit dem Kürnacher Wald und dem Buchenberger Wald. Viele
Wanderer, Nordic-Walker und Biker begegnen mir hier. Schade eigentlich,
ich finde den gegenüberliegenden Teil viel schöner, hat er doch
wenigstens einige noch erhaltene Weideflächen zu bieten und ist damit
sonniger und auch Aussichtsreicher. Ganz anders ist es hier, die
offenbar einträgliche Waldwirtschaft hat so gut wie alle Weideflächen
vereinnahmt.
Bis auf die
Wenger Egg Alpe und die Alpe Herrenberg ist die gesamte Adelegg von
Fichtenkulturen überdeckt. Das war zu früheren Zeiten nicht so, auf
alten Bildern zeigt sich eine wunderschöne, hügelige Landschaft.
Mit einigen Alpen, der Schletteralpe oder der großen Zengerles-Alpe
beispielsweise. Nur in den ungezählten Tobeln gibt es noch den ursprünglichen
Mischwaldbestand. Hier abzuholzen war und ist immer noch unrentabel. Gut
so!
Die Abfahrt
vom Schwarzen Grat ist zunächst mächtig schnell. Auf dem gut
hergerichtetem Forstweg kannste lässig mal 60 Sachen erreichen. Wenn
nur diese Kraft zehrenden Gegenanstiege nicht wären! Immer wieder
tauchen sie auf. Erst nach der Alpe Herrenberg geht es dann nur noch abwärts.
Der Trail runter nach Rohrdorf fällt heute aus, den hatte ich
vergangene Woche schon.
Nach der Abfahrt komme ich auf
den Radweg, nach ein paar Metern bin ich, total eingedreckt zwar, aber
durchaus zufrieden, wieder in Rimpach.
Zur
Initiative Kreuzthal-Eisenbach e.V.
35 Kilometer, 1030 Höhenmeter,
Fahrzeit ca. 3 Stunden
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Karte
und Download |
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