So
richtig gut meinen es die für das Wetter zuständigen Herrschaften
nicht gerade mit uns beiden. Am gestrigen Freitag hatten wir noch
herrliche, sommerliche Temperaturen im Süden Deutschlands, auch das
Alpenwetter war prächtig. Aber wie schon so oft, wenn die Wolferl´s
mit den Rädern losziehen wollen, sollte sich das rechtzeitig ändern.
In der Nacht auf Samstag zog eine Schlechtwetterfront, verbunden mit
einem Temperatursturz von über 15 Grad, ins Land. Nicht die allerbesten
Voraussetzungen für unser gemeinsames Vorhaben. Mit den Mountainbikes
wollen wir „Rund um den Hohen Ifen“ fahren, schieben und tragen.
Samstagmorgen,
kurz nach sieben Uhr. Es beginnt zu regnen, zwar nur leicht, aber so
richtig trösten kann mich das nun auch nicht. Der einzige Lichtblick am
wolkenverhangenen Himmel sind ein paar, zwar winzig kleine, aber eben
vorhandene blaue Löcher im Gewölk, die ich über den nahen Allgäuer
Alpen entdecken kann. Bloß die Hoffnung nicht aufgeben!
Die
Parkplatzsuche bei Obermaiselstein verläuft zunächst ergebnislos, erst
nach einigem Hin und Her finden wir den Wanderparkplatz bei
Hirschsprung. Auf unserer Suche entdecken wir ein paar schöne kleine
Sträßlein, ideal für eine Rennradtour. Das merken wir uns für künftige
Unternehmungen.
Die
Radschuhe angezogen, den Rucksack mit dem Nötigsten geschultert und
schon kann es losgehen. Wir brauchen nicht lange zu fahren, bis uns das
GPS die richtige Abzweigung zum Lochbachtal anzeigt. Mit den neuen
Garmin Geräten sind wir mittlerweile gut vertraut und hochzufrieden.
Vor allem seit wir die (kostenlosen) Openstreetmap
Karten installiert haben. Zum Mountainbiken haben wir die Open-MTB-Map
auf den Chip geladen. Einfach nur genial!
Der
schmale, asphaltierte Lochbachtal-Alpweg steigt gleich heftig an, meist
jenseits der 14 Prozentmarke geht es aufwärts. Nach einigen Kehren
kommen wir, 500 Höhenmeter weiter oben, irgendwo in der Nähe der
unbewirtschafteten Schwabenalpe endlich auf etwas flacheres Gelände.
Auf gut 1100 Meter Höhe sind wir nun. Zum Glück regnet es hier nicht,
aber Aussicht auf die bestimmt herrliche Umgebung haben wir leider
nicht. Wolken und Hochnebel versperren die Sicht auf die umliegenden
Berge.
Als
Ausgleich haben wir nun die Aussicht auf jede Menge Rinderärsche.
Heute ist Alpauftrieb. Das konnten wir ja nun echt nicht wissen.
Normalerweise wäre ein zügiges Vorankommen hier problemlos möglich.
Die Rinderherde, die von den tiefer gelegenen Weiden nun auf die höher
gelegenen Alpen getrieben wird, verhält sich nicht gerade
verkehrsgerecht. Erfahrung: Auch vierbeinige Rindviehcher wechseln plötzlich
und ohne jede Vorwarnung, ohne sich umzuschauen, die Fahrbahnseite.
Als
ein Teil der Herde offensichtlich besonders leckeres Grünfutter
entdeckt und sich schmatzend darüber hermacht, entscheiden wir uns, ein
Überholmanöver durchzuführen. Das gelingt auch ganz gut. Nur blöd,
dass uns das nicht wirklich weitergeholfen hat. Nur ein paar Hundert
Meter weiter treffen wir auf die nächste Herde. Unmöglich, daran
vorbeizukommen. Rechts und links der schmalen Straße sind Zäune,
Geduld ist angesagt.
Wir
haben Glück, gleich nach der Dinigörgenalpe nimmt die Herde einen
anderen Weg. Auf 1280 Meter ü. NN sind wir nun. Wir biegen nach links,
Richtung Rohrmoos, ab. Nur wenige Meter trennen uns nun noch vom ersten
echten Trailvergnügen des Tages. Nach der Toniskopfalpe endet der
Schotterweg und die auf der Karte eingezeichnete MTB-Tragestrecke beginnt.
Wir können fahren, für uns geht es ja bergab. Ganz einfach ist die
Strecke gewiss nicht, im unteren Teil müssen wir absteigen. Es wäre zu
gefährlich, hier weiter zu fahren. Ab dem Viehdurchlass am Ende des
Waldes ist der Trail wieder fahrbar. Steil geht es auf Wiesengelände
abwärts, wir kommen am Ende des schmalen Pfades in Rohrmoos an. Bis
hierher kann man von Tiefenbach aus mit dem Auto fahren, entsprechend
belebt ist der kleine Weiler. Wir halten uns rechts und fahren auf dem
asphaltierten Alpweg nach Hirschgund. Dort
verlassen
wir dann endlich den Alpweg und fahren auf einem Schotterweg zu den
Rubachalpen. Bei der Vorderen Rubachalpe gönnen wir uns eine kleine
Pause, eine Bank vor der unbewirtschafteten Alpe bietet sich dafür an.
Wir
sind erst ein paar Minuten unterwegs und staunen nicht schlecht über
einen entgegenkommenden Rennradfahrer. Der Weg hier ist mit dem
Mountainbike problemlos zu fahren, aber mit dem Rennrad geht das
eigentlich gar nicht. Das war auch nicht seine Absicht, erklärt der
Fahrer uns. Ob der Weg denn nun besser würde, fragt er nach. Er hat in
Sibratsgfäll die verkehrte Abzweigung genommen und ist nun hier
gelandet. Der Weg wird etwas besser, arg weit ist es auch nicht mehr bis
zum rennradtauglichen Alpweg, können wir ihm versichern. Er nimmt sein
Missgeschick mit Humor und macht sich dann auf und davon. Auch wir
ziehen weiter und sehen erst jetzt, was der Ärmste hinter sich hat. Übelst
grober Schotter, steil geht es auf und ab. Einen großen Teil der
Strecke wird er wohl geschoben haben. Erstaunlich, was ein Rennrad
aushalten kann.
Wir
kommen nun wieder auf einen asphaltierten Weg, der uns recht steil
einige Höhenmeter nach oben bringt und dann wieder zu einem Schotterweg
wird. Außer dem Rennradfahrer ist uns nun schon lange niemand mehr
begegnet, fällt uns auf. Kein Mensch ist hier unterwegs. Ob´s nur am
Wetter liegt?
Immer
mehr gewinnen wir an Höhe, teilweise geht es ziemlich steil hoch. Bis
zu 18 Prozent
Steigung zeigt der Tacho. Gut einen Kilometer, nachdem wir die
Miesbodenalpe passiert haben, ist der Weg zu Ende. Wir sind nun auf 1350
Meter Höhe. Vielleicht ist es ganz gut, dass die Sicht immer noch nicht
besonders gut ist. Was wir hier gesehen hätten, würde uns nämlich
nicht gefallen haben.
Die
erste halbe Stunde können wir die Bikes auf dem steilen Pfad noch
schieben, danach hilft nur noch tragen. Am besten geht das, indem man
das Rad mit dem Oberrohr auf den Rucksack legt. So drückt das Gewicht
des Rades wenigstens nicht direkt auf den Körper. Die Sicht
reicht immer gerade bis zur nächsten Kehre, und jedes Mal sieht es so
aus, als ob wir endlich oben wären. Sind wir aber noch lange nicht.
Immer spektakulärer wird der Pfad, links die Felswand, rechts der
Abgrund. Und jede Menge Bergmolche, auf die es zu achten gilt. Wie lange
wir nun getragen haben weiß keiner von uns. Eine Stunde haben wir für
die 400 Höhenmeter bis zum Gerachsattel auf 1750 Meter Höhe sicher
gebraucht. Der höchste Punkt dieser Tour ist nun erreicht. Nun ist es
wirklich ein Jammer, dass wir die bestimmt grandiose Aussicht von hier
oben nicht genießen können. Keine 50 Meter weit reicht die Sicht.
Schade.
Unser
nächstes Ziel, die Schwarzwasserhütte, ist nicht mehr weit. Aber erst
gilt es, ein Schneefeld zu queren. Wolfgang steigt davor ab und schiebt
sein Rad. Na, wenn der Schnee so fest ist, dass er da ohne einzusinken
drüber kann, sollte das ja auch fahrenderweise gehen. Denke ich so bei
mir. Ich nehme Tempo auf und rase auf das Schneefeld zu. Sofort sinkt
das Vorderrad bis zur Nabe im Schnee ein. Elegant fliege ich vom Bike in
den Schnee und ziehe mir dabei eine kleine Schnittwunde am Knie zu. Dazu
gibt es eiskalte Hände und natürlich habe ich die oder besser den
Lacher auf meiner Seite. Mist.
Zur
Hütte gelangen wir auf einem verblockten Pfad, der sehr schwer zu
fahren ist. Ich traue mir etwas zu viel zu und stürze. Mit den Händen
versuche ich den Sturz abzufangen, was auch gelingt. Wegen der kalten
Finger wird das aber ziemlich schmerzhaft. Als Trost gibt es in der
Schwarzwasserhütte ein feines Süppchen und ein Almdudler für mich.
Wolfgangs Apfelstrudel duftet fantastisch, ach hätte ich doch nur ….
Eine lange Abfahrt liegt nach der kleinen Pause vor uns, von 1620 Metern
geht es runter auf 1000 Meter Höhe. Zunächst auf einem gekiesten Weg,
bald aber auf einem klasse Trail, der richtig Spaß macht. Ein paar Mal
müssen wir absteigen, aber der allergrößte Teil des Pfades ist
fahrbar. Hier begegnen uns nun auch wieder einige Wanderer, die entweder
hoch zur Schwarzwasserhütte gehen, um dort zu Übernachten, oder von
ihr kommen und ins Tal absteigen. Als wir wieder auf einen befestigten
Weg kommen öffnet sich endlich mal die Wolkendecke und wir können den
Hohen Ifen und das Gottesackerplateau kurz sehen.
Zurück
zum Wanderparkplatz geht es zunächst bergab durch das Schwarzwassertal.
Nach dem Talanfang fahren wir, zumeist auf kleinen Nebenstraßen,
weiter. Nur vom Hörnlepass führt eine Weile lang ein Schotterweg hin
zum Endpunkt unserer Tour. Klasse war es, eine Wiederholung – bei schönem
Wetter – ist sicher.
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62 km 1800 Höhenmeter