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Schon um halb zehn hat sich heute der Novembernebel von
der Sonne vertreiben
lassen. Ideal für unser Vorhaben! Das besteht
heute aus einer Mountainbike-Tour, die Sigmund und mich zuerst auf den Hauchenberg
und danach über die Thaler und Salmaser Höhe führen wird. Oder soll.
Der Hauchenberg, der sich von Missen bis Freundpolz über
eine Länge von gut acht Kilometern erstreckt und an seinem höchsten
Punkt “nur” 1250 Meter hoch ist, hat es mir schon seit einiger Zeit
besonders angetan. Nicht nur, weil er schnell zu erreichen ist. Zum
Mountainbiken, aber auch für eine gemütliche Wanderung oder eine
Schneeschuhtour ist dieser Höhenzug einfach ideal.
Schluss mit der Werbeeinblendung und zurück zu dem, wovon ich
eigentlich berichten wollte:
Schon auf der Fahrt nach Missen-Wilhams, unserem
Startort, war klar, dass die “Kleiderwahl” nicht ganz glücklich
war. Anstatt der langen Winterhose hätte es die kurze heute auch getan.
Aber nu´ isses schon so, dann wird es eben etwas wärmer werden, als
man sich das um diese Jahreszeit vorstellt. Schon beim Zusammenbauen der
Bikes wird es kuschelig warm. Gegen elf Uhr starten wir, es geht sofort
auf Schotterweg steil, dann ganz steil und auf den letzten Metern
richtig steil aufwärts. Man beachte die Steigerungsform von “Steil”. Zur Erläuterung: Steil ist bis 14
Prozent, ab 20 Prozent bis zur Fahrbarkeitsgrenze ist es “richtig”
steil. Alles dazwischen klassifiziere ich – beim Mountainbiken – als
“ganz” steil. Aber das nur nebenbei.
Nach dem richtig steilem Stück geht es zunächst auf
einem Wiesenpfad bergab. Ein Viehdurchlass stoppt uns. Gutes
Armmuskeltraining, nicht nur dieser Durchlass zwingt uns, die schweren Räder
über den Weidezaun zu heben und dabei gleichzeitig kunstvoll mit dem
Körper durch den Durchlass zu kommen.
Schon kommt die nächste richtig steile Passage, nach
vielleicht 100 Metern ist dann erst einmal Ende mit fahren. Nun wird es
jenseits aller Klassifizierungen steil. Schiebe und Tragepassage. Ein
Wurzelpfad bringt uns auf kürzester Strecke von 900 Meter Höhe auf
1200 Meter. Nicht zu glauben, wie anstrengend die Schieberei sein kann!
Von wegen, “Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt”.
Nach dieser Schinderei, anders kann man es nicht
nennen, fängt der Spaß dann an. Zunächst nur leicht ansteigend,
erreichen wir auf einem Forstweg die ersten Wiesen. Ein kurzes Steilstück
treibt wieder einige Schweißperlen aus den Körpern. Nach der
Abzweigung zur “Räuberhöhle” folgt eine weitere Tragepassage.
Verblockt, rechts senkrecht abfallend. Aber nicht zu schwierig zu
passieren, die Bikes müssen eben getragen oder hochgewuchtet werden,
schieben geht hier nicht mehr. Hochgebirgsfeeling auf 1200 Meter, was
will man mehr?
Weiter geht es über Weideflächen, die hier oben aber
um diese Jahreszeit nicht mehr “beweidet” werden. Längst schon ist
das Vieh viel weiter unten, aber immer noch draußen. Ich denke, dass es
hier wirklich noch glückliche Rinder gibt. Immer wieder längere und kürzere
Wurzeltrails, alle fahrbar, dann wieder Weideflächen, und schon sind
wir am “Alpkönigturm”.
Zeit für eine kleine Pause, vom Turm aus bietet sich
heute bei klarster Sicht ein Traumpanorama auf die Alpen. Bis weit
hinter die gut zu sehende Zugspitze im Osten und die Berner Alpen im
Westen reicht der Blick an diesem herrlichen ersten Novembertag. Der
Blick in nördlicher Richtung zeigt im Vordergrund das Sonneck, dahinter
die Adelegg und noch weiter hinten geht der Blick über das gesamte
Oberschwaben. Die Stufen hier hoch haben sich, wie immer, gelohnt.
Das schöne Wetter hat natürlich auch jede Menge
Wanderer angelockt, aber mit gegenseitiger Rücksichtnahme ist das kein
Problem. Wir heben die Räder über ein paar letzte Weidedurchlässe und
sind nun fast alleine auf den Pfaden unterwegs. Ab dem Wanderwegabzweig,
der nach Diepolz hinunter führt, sind kaum noch Wanderer unterwegs.
Knackige Wurzeltrails erwarten uns nun. Um hier ohne Absteigen
durchzukommen, bedarf es schon gewisser Fahrkünste und nicht wenig Übung
und Erfahrung.
Das
Ende der Hauchenberg-Überquerung ist das absolute
Highlight des Tages. Die letzte Abfahrt ist ein teilweise extrem steiler
Wurzelpfad, der nur mit Können und dem richtigen Gespür für den
idealen Weg zu fahren ist. Und das auch nur dann, wenn es trocken ist.
Der Spaßfaktor jedenfalls ist groß, wenn diese Voraussetzungen gegeben
sind. So wie heute. Das haben wir auf Video festgehalten. Guggst
du!
Nicht ganz so spektakulär, aber auch noch mit hohem
Spaßfaktor, präsentiert sich der zweite Teil unserer Tour.
Nach der Abfahrt nach Freundpolz fahren wir auf
herrlichen Pfaden Richtung Missen. Bis hierher haben wir gerade mal 300
Meter Asphalt unter den Rädern gehabt! Wir überqueren die Straße, die
von Missen nach Immenstadt führt, und sind gleich wieder auf
Schotterweg unterwegs.
Ab der Siedelalpe, die dummerweise schon längst die
Saison beendet hat, fahren wir auf leckeren Trails weiter Richtung
Thaler Höhe. Die Trinkflaschen sind inzwischen so gut wie leer, eine
“Tankstelle” wird es nicht mehr geben auf den letzten Kilometern
unserer Tour. Kurz vor der Pfarralpe lädt eine Bank zur Pause und zum
Besprechen des weiteren Verlaufs unseres Ausflugs ein. Angesichts des
Wassermangels und der nun doch schon fortgeschrittenen Zeit beschließen
wir, über die nahe gelegene Pfarralpe nach Missen abzufahren und zu
unserem Startpunkt nach Wilhams zurück zu kehren.
Die Abfahrt von der Pfarralpe zur Hold-Alpe ist auf
Wiesenpfad schön zu fahren. Gleich nach der Hold-Alpe folgt die letzte
Schwierigkeit des Tages. Ein Pfad, mit Laub übersäht, darunter große
Steine und Wurzeln, sehr steil bergab führend, verlangt ein weiteres
mal höchste Aufmerksamkeit. Aber auch das schaffen wir noch, den
letzten Kilometer legen wir dann auf asphaltiertem Weg zurück. Nach
Missen folgt der letzte Anstieg des Tages, wir müssen ja wieder hoch
nach Wilhams, wo Sigmunds “Transporter” geparkt ist.
Eine Klasse Tour, sehr traillastig, also fast keine
Asphaltwege, super Aussicht, tolle Landschaft. Allerdings fahrtechnisch anspruchsvoll. Wer
es lieber etwas gemütlich
mag oder Kilometer machen möchte, sollte sich also nach einer anderen
Strecke umsehen.
Wenn nicht- bitteschön!
25 Kilometer
820 Höhenmeter Fahrzeit
2:30
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Karte
und Download |
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